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Baden-Württemberg: Handwerk sieht Licht am Ende des Tunnels PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 15. Februar 2006

Das Ende der konjunkturellen Talfahrt des Handwerks in Baden-Württemberg ist in Sicht. Der Trend entwickle sich zwar zögerlich, aber erkennbar aufwärts, sagte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle am 16. Februar im Rahmen einer Pressekonferenz des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT). Die Zahl der Betriebe habe sich seit der Handwerksnovelle weiter erhöht. Dabei zeichne sich allerdings deutlich ab: »Wer ohne fachspezifische Qualifikation auf den Markt geht, muss damit rechnen, dass der vermeintlich goldene Boden rasch brüchig wird.«
Die Handwerksbetriebe im Land blickten optimistischer in die Zukunft, erklärte Joachim Möhrle. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2005 habe der Konjunkturaufschwung alle Handwerksgruppen erfasst, der Konjunkturindikator habe im vierten Quartal sogar ein Fünfjahreshoch erreicht: »Verantwortlich hierfür war neben der hohen Exportquote auch die etwas stabilere Inlandsnachfrage.« Die Umsätze seien zwar um rund eine Milliarde Euro (–1,5 Prozent) auf 61,6 Milliarden gesunken, für das laufende Jahr prognostiziert Möhrle allerdings ein leichtes Plus.
Der Abbau bei den Beschäftigten setzte sich weiter fort. Die rasante Talfahrt von 850.000 Mitarbeitern im Jahr 2000 auf 774.000 Beschäftigte im Jahr 2004 hat sich zwar verlangsamt, Möhrle rechnet aber für das vergangene Jahr mit zwei Prozent weniger Beschäftigten und auch für 2006 noch einmal mit einem einprozentigen Abbau.
Obwohl die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge leicht rückläufig war, blieb unterm Strich der Saldo positiv (+0,8 %). Ende 2005 wurden 56.261 Jugendliche in einem Handwerksberuf ausgebildet. Möhrle betonte, generell spielten Qualifikation und schulische Vorbildung eine immer wichtigere Rolle bei der Auswahl der Lehrlinge. Zwar verfüge nach wie vor mehr als die Hälfte aller Auszubildenden über einen Hauptschulabschluss, aber der Anteil der Ausbildungsanfänger ohne Schulabschluss sei in den vergangenen Jahren zugunsten der Anfänger mit Mittlerer Reife und Abitur gesunken.
Positive Anreize für das Handwerk sieht Möhrle unter anderem durch den zu erwartenden Vorzieheffekt im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung 2007, die steuerliche Absetzbarkeit von Bauhandwerksleistungen und das Gebäudesanierungsprogramm der Bundesregierung. Sorge bereite ihm die sinkende Durchschnittsgröße der Handwerksbetriebe. Das Anziehen der Konjunktur erfordere auch wieder verstärkte Investitionen in den Bestand und in neue Technologien: »Diese Investitionen können aber nur von gesunden Betrieben mit einer ausreichenden Kapital- und Mitarbeiterbasis geleistet werden.« Man dürfe auch nicht vergessen, dass die Verbesserung der Geschäftslage bei den Handwerksbetrieben nicht zuletzt auf Grund eines deutlichen Beschäftigtenabbaus erzielt wurde. Möhrle: »Die Kapazitäten wurden an die stagnierende Nachfrage angepasst.«
Immer deutlicher, sagte Möhrle weiter, zeichne sich im Handwerk ein Strukturwandel ab. Im zweiten Jahr nach der Handwerksnovelle habe sich die Zahl der Betriebe weiter erhöht. Zum Jahresende waren in die Handwerksrolle 124.740 Betriebe (+3,3 Prozent) eingetragen. Mit mehr als 70 Prozent entfalle dieser Zuwachs aber im Wesentlichen auf nur fünf Gewerke: Das zulassungspflichtige Friseurgewerbe, die zulassungsfreien Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, die Gebäudereiniger, die Raumausstatter und die handwerksähnlichen Kosmetiker. Weiterhin rückläufige Betriebszahlen wiesen dagegen die Nahrungsmittelhandwerke auf, ebenso die traditionellen Handwerke wie Uhrmacher oder Schumacher. Dem Plus bei den zulassungsfreien Gewerken stehe eine gleichfalls steigende Zahl an Betriebsaufgaben gegenüber. So gaben zum Beispiel bei den Fliesen-, Platten und Mosaiklegern vor zwei Jahren noch 5,4 Prozent der bestehenden Betriebe ihre Marktaktivität auf, 2005 waren es hingegen schon 10,5 Prozent. Noch gravierender war die Entwicklung im Gebäudereiniger-Handwerk: 2003 machten noch 7,3 Prozent dicht, im vergangenen Jahr waren es bereits 25 Prozent. Die Gründe sieht Möhrle in der geringen Qualifikation der Betriebsgründer. Der Vergleich mit den meisterpflichtigen Handwerken zeige, dass dort die Betriebsabgänge gemessen am Betriebsbestand konstant geblieben seien.