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Talfahrt im niedersächsischen Baugewerbe geht 2006 weiter
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Mittwoch, 23. November 2005 |
Schatten und Licht sieht der Baugewerbe-Verband Niedersachsen (BVN) in dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung für die Bauwirtschaft. Darauf wies Rainer Lorenz, Präsident des BVN, anlässlich eines Gespräches mit Pressevertretern am Vortag des 27. Niedersächsischen Baugewerbetages in Hannover hin.
Als negativ für die Entwicklung der Baukonjunktur wertete Lorenz die Entscheidung, die Eigenheimzulage abzuschaffen. Dies werde Arbeitsplätze kosten. Dem BVN zufolge sind rund 20.000 Arbeitsplätze am Bau in Niedersachsen gefährdet. Auch die Entscheidung, die degressive Abschreibung im Mietwohnungsbau abzuschaffen und eine Pauschalbesteuerung auf den Verkauf von Immobilien einzuführen, würde dazu führen, dass die Wohnungsbaunachfrage im kommenden Jahr weiter zurückgehen wird. Negativ bewertete der BVN auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer ab 2007. Die Handwerkerstunde für den Endverbraucher würde sich um rund 1,20 Euro erhöhen. Dass im Gegenzug die Lohnzusatzkosten gesenkt werden sollen, sei »im Prinzip richtig. Die Entlastung reicht allerdings nicht aus, um die Nachteile zu kompensieren. Im Ergebnis wird legale Arbeit teurer und dies verstärkt die Anreize, Bauaufträge schwarz auszuführen!«, so BVN-Präsident Lorenz. Auch dadurch würden Arbeitsplätze am Bau vernichtet.
Zu begrüßen sei hingegen, dass private Aufwendungen für Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Haushalt künftig steuerlich begünstigt werden. Der Verband sieht darin einen geeigneten Ansatz, um der Schattenwirtschaft ein Schnäppchen zu schlagen, kritisiert allerdings, dass der Gesetzgeber an dieser Stelle zu zaghaft zu Werke ginge. »Die Grenze sei doch reichlich niedrig«, meinte Lorenz.
Zu begrüßen ist aus Sicht des BVN auch das Vorhaben, die Energieeffizienz von Gebäuden über ein Zuschusssystem zu fördern. In Verbindung mit dem Energiepass, der im nächsten Jahr verbindlich vorgeschrieben werden soll, wird dies die Nachfrage nach fachgerechtem energetischen Sanieren positiv beeinflussen und die negativen Effekte, die durch andere Maßnahmen hervorgerufen werden, zu einem Teil ausgleichen. Lorenz befürwortet zudem die veränderte Erbschafts- und Schenkungssteuer, mit der die Unternehmensnachfolge erleichtert wird. Auch die Erhöhung der Verkehrswegeinvestitionen sei aus Sicht der Bauwirtschaft sinnvoll, genauso wie die Entscheidung, öffentlich-private Partnerschaften auch im Hochbau zu erleichtern. Allerdings müsse aus Sicht des BVN sichergestellt werden, dass auch die kleineren und mittelständischen Betriebe sich an solchen öffentlich-privaten Partnerschaften beteiligen können.
Trotz dieser zum Teil ausgleichenden Maßnahmen erwartet der Verband, dass sich die Rezession am Bau auch im nächsten Jahr fortsetzen wird. Der BVN rechnet mit einem Umsatzminus in Höhe von drei Prozent und mit einem Beschäftigungsrückgang von mindestens fünf Prozent. Einschnitte wird es nach Ansicht des BVN vor allem im Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern geben. In den übrigen Sparten werde sich die Talfahrt verlangsamen.
Zur aktuellen Entwicklung sagte Lorenz, dass sich der Bau in Niedersachsen ein Stück weit aus dem tiefen Konjunkturloch herauskämpft, in das er zu Beginn des Jahres gefallen sei. Unter dem Strich seien die ersten neun Monate des Jahres 2005 für die Bauwirtschaft dennoch sehr unbefriedigend verlaufen. Die seit elf Jahren anhaltende Schrumpfkur habe sich sogar beschleunigt fortgesetzt. Die Bauproduktion sei um 13,7 Prozent oder 9,4 Millionen Stunden gesunken. Der Umsatz sei um 5,2 Prozent oder 287 Millionen Euro gesunken. Die Zahl der Mitarbeiter in den Baubetrieben sei um 9,7 Prozent zurückgegangen. Im September 2005 seien in Niedersachsen 70.600 Personen in den Betrieben des Bauhauptgewerbes beschäftigt gewesen, 7.560 Personen weniger als im September 2004.
Die Talfahrt betrifft dem BVN zufolge alle Bausparten. Gemessen an der Bauproduktion sei der öffentliche Bau um 10,8 Prozent, der Wirtschaftsbau um 7,1 Prozent und der Wohnungsbau um 18,8 Prozent gesunken. Der Wohnungsbau sei damit zum Sorgenkind der Branche geworden – eine aus Sicht des Bauhandwerks unglückliche Entwicklung.
Hier und da seien in den letzten Wochen und Monaten jedoch Korrekturen zu erkennen. Im 2. und 3. Quartal habe sich die Bauwirtschaft leicht erholt. Die sehr negative Entwicklung im 1. Quartal, auch bedingt durch den langen Winter, sei zu einem gewissen Teil wettgemacht worden. Die Frühindikatoren deuteten zudem darauf hin, dass sich die Abwärtsbewegung weiter abschwäche. So sei der Auftragseingang im Hochbau um 3,2 Prozent und im Tiefbau um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Im Wohnungsbau seien hingegen weniger Aufträge bei den Firmen eingegangen als im Vorjahreszeitraum. |