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Baden-Württemberg: Unternehmensinsolvenzen gehen um 12 Prozent auf 2.125 zurück PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 23. November 2005
Höchste Insolvenzhäufigkeit nach wie vor im Baugewerbe In Baden-Württemberg waren in den ersten neun Monaten dieses Jahres merklich weniger Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen. Bis Ende September wurden von den Amtsgerichten insgesamt 2.125 Unternehmenskonkursverfahren entschieden. Das sind nach Feststellung des Statistischen Landesamtes 12 Prozent oder 287 weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, damals wurden 2412 Verfahren gezählt.

Die meisten Unternehmenszusammenbrüche hatte der Handel mit 454 Fällen (minus 9,9 Prozent) zu beklagen, gefolgt vom Bereich Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung beweglicher Sachen, Erbringung von Dienstleistungen überwiegend für Unternehmen mit 431 Fällen (das sind 18 Prozent weniger als im Vorjahr). Im Baugewerbe kam es zu 413 Konkursen (minus 6,8 Prozent ). Das sind zusammen drei Fünftel aller Unternehmensinsolvenzen. Dazu kam das Verarbeitende Gewerbe mit 294 Unternehmenskonkursen, das sind 81 Fälle (oder 22 Prozent ) weniger als in den ersten drei Quartalen 2004. Stärker betroffen sind hier nach wie vor die Branchen Metallerzeugung und -bearbeitung, Maschinenbau sowie das Holzgewerbe. Das Gastgewerbe verzeichnete 156 Insolvenzen (+2,6 Prozent ), der Wirtschaftsbereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung 145 Fälle (-5,8 Prozent ).

Von den Unternehmenspleiten der ersten drei Quartale des Jahres 2005 waren in Baden-Württemberg 9778 Arbeitnehmer betroffen, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 19.005 Personen. Die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer halbierte sich damit nahezu (-49 Prozent ).

Leicht zurückgegangen ist auch die Höhe der gegenüber den Schuldnern geltend gemachten voraussichtlichen Forderungen: Sie beliefen sich auf knapp 1,3 Milliarden Euro, das sind 57 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die durchschnittlichen Schulden je insolventem Unternehmen betrugen im Zeitraum Januar bis September 2005 rund 0,616 Millionen Euro, während im Vorjahr durchschnittliche Forderungen in Höhe von rund 1,272 Mill. Euro errechnet wurde. Hier zeichnet sich zwar ein Rückgang der Forderungshöhe ab, im Vorjahr flossen jedoch die Verbindlichkeiten einiger Großunternehmer ein. Die durchschnittliche Forderungshöhe ist außerdem Branchen abhängig.

Höchste Insolvenzhäufigkeit nach wie vor im Baugewerbe
Die bloße Betrachtung der Insolvenzzahl und deren Entwicklung stellt noch keine Beziehung zu den vorhandenen Unternehmen eines Wirtschaftzweiges oder eines Bundeslandes her. Dazu führte das Statistische Landesamt weitere Berechnungen durch, wobei als Indikator für die Zahl der insgesamt vorhandenen Unternehmen, die Steuerpflichtigen aus der Umsatzsteuerstatistik 2003 dienen. Die relative Insolvenzhäufigkeit bezieht jeweils die Zahl der Insolvenzen auf die Zahl der vorhandenen Unternehmen (rechnerisch auf 1.000 Unternehmen). Danach ist die Insolvenzhäufigkeit im Baugewerbe mit 10,2 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen (10,2 Promille) nach wie vor am höchsten. Es folgen die Bereiche Kredit- und Versicherungsgewerbe und der Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung mit 9,8 bzw. 9,7 Verfahren je 1.000 Unternehmen. Geringer ist die Insolvenzhäufigkeit im Verarbeitenden Gewerbe mit 5,9 Verfahren je 1:000 Unternehmen, im Handel (4,8 Verfahren), im Gastgewerbe (4,8 Verfahren) sowie im Bereich Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung und Dienstleistungen überwiegend für Unternehmen (3,7 Verfahren je 1000 Unternehmen). Mittels der relativen Insolvenzhäufigkeit ist auch ein Bundesländervergleich möglich, zurzeit jedoch nur für die ersten acht Monate: Danach errechnet sich für Baden-Württemberg die geringste Insolvenzhäufigkeit unter den Ländern (4,8 Verfahren), gefolgt von Bayern (5,6 Verfahren) und Hessen (6,5 Verfahren). Die Altersstruktur der Unternehmen führt hier jedoch in der Regel zu besseren Bilanzen in den alten Ländern. Dabei ist zu beachten, dass seit Jahrzehnten die Unternehmen, deren Gründung erst wenige Jahre zurück liegt, im Durchschnitt Insolvenz gefährdeter waren als bei Unternehmen, deren Bestandsdauer höher war. Die Insolvenzhäufigkeit für das Bundesgebiet insgesamt betrug in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres 8,7 Verfahren je 1000 Unternehmen.