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Täglicher Flächenbedarf für Baumaßnahmen in Baden-Württemberg geht auf 8,8 Hektar zurück
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Montag, 14. November 2005 |
Täglich wurde 2004 in Baden-Württemberg eine Fläche von 8,8 Hektar (ha) für Baumaßnahmen in den Bereichen Wohnen, Gewerbe und Industrie, Straßen usw. umgewidmet. Der Jahreszuwachs an Siedlungs- und Verkehrsfläche beansprucht damit derzeit eine Größenordnung von 4.500 bis 4.600 Fußballplätzen. Dies sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes. Dr. Gisela Meister-Scheufelen, am 15. November vor der Presse.
Wie das Statistische Landesamt aufgrund der Ergebnisse der Flächenerhebung 2005 weiter feststellt, hatten die Vergleichsdaten der Vorjahre noch deutlich höher gelegen (2001: 11,8 ha/Tag; 2002: 10,6 ha/Tag; 2003: 10,3 ha/Tag). Ob diese Entwicklung die Trendwende zum sparsameren Umgang mit Grund und Boden darstellt, kann noch nicht gesagt werden. Sicher ist, dass neben einem insgesamt restriktiven Umgang mit dieser Frage die schwache wirtschaftliche Entwicklung dämpfende Effekte auf den Flächenverbrauch hat. Zu beachten gilt hierbei, so Meister-Scheufelen, dass die Siedlungs- und Verkehrsfläche in erheblichen Umfang auch Grün- und Freiflächen umfasst. »Flächenverbrauch« ist demnach nicht mit »Versiegelung« – also dem teilweise oder vollständigen Abdichten offener Böden – gleich zu setzen. Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der gesamten Bodenfläche ist in Baden-Württemberg seit Ende der 80er Jahre von unter 12 Prozent auf 13, 5 Prozent angestiegen.
Im Vergleich zu anderen Bundesländern liegt Baden-Württemberg, wie das Schaubild zeigt, in der Frage des Flächenverbrauchs mit 8,8 Hektar pro Tag im Mittelfeld. Niedrige Zunahmen bei der täglichen Umwandlung in Siedlungs- und Verkehrsfläche mit unter 5 Hektar pro Tag haben die Flächenstaaten Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. In Hessen liegt der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche am Land bei gut 15 Prozent; Nordrhein-Westfalen hat bundesweit mit 21,4 Prozent den größten Anteil.
Modellrechnungen zeigen, dass in hohem Maße die Einkommens- und Wirtschaftsentwicklung und weniger der Bevölkerungszuwachs in den letzten 25 Jahren den Flächenverbrauch bestimmt hat. Unterstellt man weiter, dass die in der Vergangenheit maßgeblichen Bestimmungsgründe des Flächenverbrauchs unverändert fort gelten, könnte rechnerisch die Siedlungs- und Verkehrsfläche in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts in Baden-Württemberg täglich voraussichtlich zwischen 11,9 und 13,5 ha, von 2010 bis 2015 täglich zwischen 8,9 und 13 ha zunehmen. Sofern allerdings etwaige verstärkte Bemühungen und neue Instrumente, Maßnahmen, Programme und Projekte zur Eindämmung des »Flächenverbrauchs« Wirkung zeigen und der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Flächenverbrauch durchbrochen wird, sind grundsätzlich auch niedrigere Werte erreichbar.
Die Ergebnisse der Flächenerhebung 2005 spiegeln den Stand des Automatisierten Liegenschaftsbuches (ALB) zum Stand 31. Dezember 2004 wider. Danach sind in Baden-Württemberg 46 Prozent der Bodenfläche der Nutzungsart Landwirtschaftsfläche (1,66 Millionen ha) und weitere 38 Prozent der Nutzungsart Waldfläche (1,36 Mill. ha) zuzuordnen. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche beziffert sich auf 487.000 ha; das entspricht einem Anteil am gesamten Landesgebiet von knapp 14 Prozent. Beim Rest handelt es sich um Wasserfläche (37.000 ha) und Flächen anderer Nutzung wie etwa Übungsgelände und ähnliches (28.600 ha).
192.500 ha oder rund 40 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche entfallen auf Flächen für Straßen, Wege und Plätze sowie den Schienen- und Luftverkehr. Die gesamte Gebäude- und Freifläche beziffert sich nunmehr auf 260.000 ha. Das entspricht einem Anteil von über 53 Prozent an der Siedlungs- und Verkehrsfläche. Darunter sind 134.900 ha (28 Prozent) für Wohnzwecke und weitere 41.600 ha (9 Prozent), die vorherrschend für gewerbliche und industrielle Zwecke genutzt werden. 28.200 ha (8 Prozent) der Gebäude- und Freifläche wird für öffentliche Zwecke bereitgestellt bzw. vom Handel und Dienstleistungssektor genutzt.
Mit der Gemeindegröße steigt der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Bodenfläche deutlich an. Zugleich ändert sich deren Zusammensetzung. In den kleineren Gemeinden mit weniger als 2.000 Einwohnern entfallen etwa 7 bis 8 Prozent der Bodenfläche insgesamt auf die Siedlungs- und Verkehrsfläche, in Gemeinden mit 10.000 bis 20.000 Einwohnern 14 Prozent. In den größeren Städten (50.000 bis 100.000 Einwohner) beansprucht die Siedlungs- und Verkehrsfläche rund ein Viertel der gesamten Bodenfläche, in den urbanen Zentren mit über 100.000 Einwohnern sogar über vier Zehntel.
Die Gebäude- und Freifläche insgesamt gewinnt mit der Gemeindegröße mehr und mehr an Bedeutung, bis bei einer Größe von 100.000 Einwohnern mit einem Anteil von rund 60 Prozent an der Siedlungs- und Verkehrsfläche eine gewisse Sättigungsgrenze erreicht ist. Der Erholungsfläche kommt in größeren Städten weitaus mehr Bedeutung zu als in den kleineren Gemeinden. Umgekehrt werden in den kleineren Gemeinden große Anteile der Siedlungs- und Verkehrsfläche (rund 50 Prozent) für den Verkehr genutzt. In den Großstädten sinkt dieser Anteil auf 30 Prozent und weniger.
Die Entwicklung in den kleineren Gemeinden zeigt mehr Dynamik, zumindest dann, wenn man die relativen Veränderungsraten der Siedlungs- und Verkehrsfläche betrachtet. Insbesondere was die Erholungsfläche anbelangt, scheint man in den kleineren und mittleren Gemeinden Nachholbedarf zu sehen. Aber auch bei der Gebäude- und Freifläche oder der Verkehrsfläche liegen die jährlichen Veränderungsraten in den kleineren Gemeinden deutlich über denen der Städte. Selbst wenn man berücksichtigt, dass bei einer zahlenmäßig kleinen Ausgangsbasis hohe Veränderungsraten leichter zu erzielen sind, so scheint das Phänomen der Flächenumwidmungen weniger im städtischen Umfeld als vielmehr in kleineren und mittleren Gemeinden bis hin zu einer Größe von rund 50.000 Einwohnern aufzutreten. Der Schwerpunkt der Baumaßnahmen im Land liegt vorrangig bei der Gebäude- und Freifläche und weniger bei der Verkehrsfläche. Während sich allerdings in den letzten vier Jahren die Zuwachsraten bei der Gebäude- und Freifläche rückläufig entwickelten, ist bei der Verkehrsfläche wenn überhaupt, dann eher eine leicht ansteigende Tendenz zu erkennen.
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