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Österreichs Baugewerbe vor dem Aufschwung |
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Dienstag, 6. April 2004 |
Roland Berger-Studie definiert zentrale Erfolgsfaktoren der Bauindustrie
Österreichs Bauhauptgewerbe steht vor einem Aufschwung. Die Rahmenbedingungen für die künftige Entwicklung werden im europäischen Vergleich deutlich besser eingeschätzt. Die Hoffungen konzentrieren sich vor allem auf steigende Investitionen der öffentlichen Hand. Trotzdem stehen nach dem mehrjährigen Konjunkturtief Kostensenkung, leistungsgerechte Entlohnung und regionale Bereinigungen noch im Vordergrund. Entscheidende Erfolgsfaktoren für die nächsten Jahre werden vor allem Kooperationen und organisches Wachstum durch Expansion in Zentral- und Osteuropa sein. Dies sind die zentralen Ergebnisse für Österreich der europaweiten Studie »Erfolgsfaktoren der Bauindustrie« von Roland Berger Strategy Consultants.
Befragt wurden 230 Führungskräfte aus der Bauindustrie in Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Schweden, Italien, Spanien und Portugal.
Während die Baubranche in Österreich, Schweden und Frankreich die Talsohle bereits durchschritten hat und vor einem neuen Aufschwung steht, befinden sich die Märkte in Spanien, Großbritannien und Italien auf ihrem Zenit. Portugal und die Benelux-Staaten haben den Gipfel bereits überschritten und Deutschland steckt in einem anhaltenden Abwärtstrend. Dies ist vor allem auf unterschiedliche Rahmenbedingungen zurückzuführen. »Österreichs Bauunternehmen hoffen vor allem auf zunehmende Investitionsbereitschaft im öffentlichen Bereich. Dem Investitionsverhalten privater Auftraggeber kommt im europäischen Vergleich eher geringe Bedeutung zu«, erklärt Dr. Roland Falb, Partner des Wiener Büros von Roland Berger. Im Vergleich positiv bewertet werden in Österreich die gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen. »Generell lässt sich eine zunehmende Annäherung der österreichischen Rahmenbedingungen an die übrigen EU-Staaten erkennen«, erläutert Bernd Wippel, Projektmanager bei Roland Berger Strategy Consultants und Studienautor.
»Die meisten Baumanager in Österreich wissen heute, dass Instrumente der Vergangenheit keinen dauerhaften Markterfolg sichern können«, sagt Wippel. »Im europäischen Vergleich erfüllen sie nach eigener Einschätzung die zukünftigen Erfolgsfaktoren schon recht gut.«
Erfolgsfaktoren der Zukunft
Obwohl Kostensenkung im Bauhauptgewerbe noch immer als wichtigster Erfolgsfaktor gesehen wird, orten Unternehmen hier nur geringen Handlungsbedarf. »Wir sehen hier die Gefahr, dass sich viele Betriebe nach erreichten Einsparungen auf ihren Lorbeeren ausruhen«, fürchtet Wippel.
Für Österreich werden – entsprechend der Marktsituation – Erfolgsfaktoren der Zukunft anders bewertet als im restlichen Europa. Kooperationen mit Mitbewerbern werden in Zukunft im Gegensatz zu Spezialisierungen deutlich wichtiger als in anderen EU-Staaten. Nach zahlreichen Übernahmen wird organisches Unternehmenswachstum hoch eingeschätzt, Übernahmen werden in Zukunft deutlich seltener vorkommen. Für Österreich ist durch den EU-Beitritt seiner Nachbarn vor allem die Expansion in neue Märkte von besonderer Bedeutung.
Defizite bestehen noch bei schlanken Organisationsstrukturen, der Etablierung von Betreibermodellen als Geschäftsfeld, der Einführung neuer Vertragsmodelle und bei Innovationen. Diese Erfolgsfaktoren haben der Bauindustrie im europäischen Ausland bereits nachhaltig zu Erfolg verholfen. Dazu zählen außerdem:
* Effektives Risikomanagement (nicht nur operativ, sondern auch ganzheitlich-strategisch)
* Zusammenarbeitsmechanismen (zum Beispiel Zulieferer, Subunternehmer)
* Kundenorientierte Zusammenarbeit (zum Beispiel mit Auftraggebern, Partnering, Bauteam)
* Moderne Unternehmensführung (zum Beispiel Vergütungsmodelle)
Europäische Bauunternehmen halten Kundenbindung mit für den wichtigsten Erfolgsfaktor. Dagegen stufen sie – im Gegensatz zu ihren österreichischen Kollegen – die Kooperation mit Wettbewerbern als weniger wichtig ein.
Steigender Marktdruck erfordert Innovationen, Risikomanagement und Kooperationen
Der Studie zufolge wächst der Handlungsdruck in Ländern mit niedriger Marktkonsolidierung. Wo wenige große Unternehmen einen hohen Anteil des Marktvolumens ausschöpfen (in Schweden, Frankreich und Spanien liegt der Anteil der zehn größten Unternehmen bei rund 50 Prozent), schätzt das Management den Handlungsbedarf geringer ein. In Deutschland, Portugal und Italien dagegen liegt die Marktkonsolidierung bei nur rund zehn Prozent, mit entsprechend stärkerem Handlungsbedarf.
Konsolidierung reduziert den Wettbewerbsdruck auf den Märkten. Die österreichische Baubranche weist einen mittleren Konsolidierungsgrad – vergleichbar mit den Benelux-Staaten und Großbritannien – auf. Die zehn größten Unternehmen am Markt kommen auf einen Marktanteil von rund 20 Prozent.
Quelle: pts
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