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Rheinland-pfälzisches Handwerk hat Talsohle überwunden PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 1. April 2004
Ergebnisse der Konjunkturumfrage Frühjahr 2004 vorgelegt Die Aussichten für das rheinland-pfälzische Handwerk hellen sich allmählich auf. Nach der neuesten Konjunkturumfrage, die die Handwerkskammer Koblenz für die vier rheinland-pfälzischen Handwerkskammern durchführt, bestätigen sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung. »Wir haben die Talsohle durchschritten, es zeichnet sich ein Aufwärtstrend ab«, machen HWK-Präsident Karl-Heinz Scherhag und Hauptgeschäftsführer Dr. h.c. Karl-Jürgen Wilbert Mut, weisen aber auch darauf hin, dass der Spitzenwert der vergangenen Jahre noch längst nicht erreicht ist. »Es ist ein Anfang, doch von einem grundlegenden Stimmungswandel im Handwerk des Landes kann nicht gesprochen werden.« Positiv bewerten die beiden Repräsentanten der Handwerkskammer Koblenz den Verlauf wichtiger Konjunkturindikatoren, »die nach oben zeigen, so die Umsatzentwicklung, Auftragssituation und die Betriebsauslastung.« Diese stellen sich besser als vor einem Jahr dar.

Der Konjunkturbericht im Detail: 54 Prozent der Befragten äußern sich inzwischen positiv über ihre aktuelle wirtschaftliche Lage – im Frühjahr 2003 waren es nur 49 Prozent. Die Einschätzungen für die nächsten drei Monate fallen mit 63 Prozent noch optimistischer aus und liegen ebenfalls deutlich über dem Vorjahresniveau (54 Prozent). Damit scheint die Talsohle, die im Frühjahr 2003 erreicht wurde, überwunden. Ein leichter Aufwärtstrend zeichnet sich ab, der allerdings noch weit von dem Spitzenwert der vergangenen Jahre entfernt ist. Im 1. Quartal 2000 beurteilten 79 Prozent der befragten Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage als zufrieden stellend – danach verschlechterte sich die Situation im rheinland-pfälzischen Handwerk kontinuierlich. Insbesondere im Ausbau-, Kfz- und Dienstleistungsgewerbe ist eine deutlich bessere Beurteilung des Geschäftsklimas zu erkennen. Im Ausbaugewerbe schätzen 56 Prozent der Betriebe ihre derzeitige wirtschaftliche Lage als gut oder befriedigend ein (Vorjahr: 49 Prozent), im Kfz-Gewerbe sind es 53 Prozent der Befragten (Vorjahr: 47 Prozent), und im Dienstleistungsbereich sind es aktuell 55 Prozent nach 51 Prozent im Vorjahr.

Auftragsbestand bessert sich
Neben dem Geschäftsklima haben sich weitere Konjunkturindikatoren für das rheinland-pfälzische Handwerk im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Umsatzentwicklung, Auftragssituation und Betriebsauslastung stellen sich im Frühjahr 2003 günstiger dar als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Der Anteil der Handwerksbetriebe, die mit der Auslastung ihrer Kapazitäten zufrieden sind, erhöht sich von 41 Prozent auf jetzt 43 Prozent. Einen gegenüber dem 4. Quartal des Vorjahres gestiegenen Auftragsbestand geben 10 Prozent (Vorjahr: 8 Prozent) der befragten Handwerksunternehmen an. Die durchschnittliche Auftragsreichweite entspricht mit 5,2 Wochen exakt dem Vorjahreswert. »Die Analyse der Umsatzentwicklung lässt hoffen, dass die Konsumzurückhaltung der Verbraucher allmählich nachlässt«, so Scherhag und Wilbert zu einer der wichtigsten Voraussetzungen für einen dauerhaften Aufschwung, der vom Kaufverhalten der Kunden geprägt wird. 8 Prozent der Betriebe melden Umsatzsteigerungen (Vorjahr: 6 Prozent), für das nächste Quartal rechnen sogar 16 Prozent der Befragten mit höheren Umsätzen (Vorjahr: 11 Prozent). »Auch hier sehen wir deutliche Signale für eine Konjunkturbelebung.«

Die betriebliche Personalpolitik spiegelt die trotz positiver Impulse bestehende Unsicherheit der rheinland-pfälzischen Handwerksbetriebe gegenüber einer nachhaltigen Konjunkturerholung wider. Zwar hat sich auch hier die Situation gegenüber dem Vorjahr verbessert, allerdings ist der Personalstand aufgrund der Entlassungen der letzten Jahre in vielen Betrieben auf niedrigem Niveau. Inzwischen melden 85 Prozent der Befragten keine personellen Veränderungen (Vorjahr: 83 Prozent) und 5 Prozent der Handwerksbetriebe Neueinstellungen im 1. Quartal 2004 (Vorjahr: 3 Prozent). 10 Prozent der Unternehmen mussten ihre Mitarbeiterzahl reduzieren (Vorjahr: 14 Prozent). Die Prognose für das kommende Quartal stellt sich trotz positiver Tendenz immer noch unbefriedigend dar. 17 Prozent der Handwerksbetriebe planen, Personal abzubauen (Vorjahr: 22 Prozent). Die Zahl der Betriebe, die für das Sommerquartal Neueinstellungen vorsieht, entspricht mit 6 Prozent dem Vorjahreswert. »Das Vertrauen des Handwerks als wichtiger Wirtschaftsfaktor bei Beschäftigung und Ausbildung in die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ist getrübt. Für eine langfristige Planung müssen deutliche und zuverlässige Signale der Politik kommen«, machen Präsident und Hauptgeschäftsführer der HWK deutlich. »Trotz zaghafter positiver Signale kann von einer durchgreifenden Stimmungsänderung im rheinland-pfälzischen Handwerk noch keine Rede sein. Um eine dauerhafte Verbesserung des Wirtschaftsklimas zu erreichen, benötigen sowohl die Handwerksbetriebe als auch deren Kunden Rahmenbedingungen und Entlastungen, die Wachstumsimpulse auslösen. Voraussetzung für einen mehr als nur kurzfristigen Aufschwung ist, dass die Verunsicherung sowohl der privaten Haushalte als auch der Unternehmen nachlässt. Die rheinland-pfälzischen Handwerkskammern setzen sich in hohem Maße dafür ein, dass die Qualität und die Innovationskraft des Handwerks auch in Zukunft erhalten bleiben. Darüber hinaus unterstützen sie ihre Mitgliedsbetriebe durch ein umfassendes Beratungsangebot« machen Karl-Heinz Scherhag und Karl-Jürgen Wilbert mit Blick auf die umfangreichen, kostenlosen Dienstleistungen der HWK deutlich. Einzelbetriebliche Beratungen, aber auch der Austausch in Arbeitskreisen und Weiterbildungen tragen zur Stärkung des Handwerks bei und helfen, den gestiegenen Anforderungen als Unternehmer gerecht zu werden.

Mangelnde Planungssicherheit aufgrund sich wiederholt ändernder Rahmenbedingungen zeigt sich auch im Investitionsverhalten des rheinland-pfälzischen Handwerks. Das Investitionsklima zog gegenüber dem Vorjahr geringfügig an. 28 Prozent der befragten Betriebe haben im 1. Quartal Investitionen getätigt, im vergleichbaren Vorjahresquartal waren es 27 Prozent. Die durchschnittliche Investitionssumme hat sich mit 20.000 Euro gegenüber dem Vorjahreswert von 21.000 Euro leicht reduziert.

Am Preisdruck auf die Handwerksbetriebe durch steigende Einkaufspreise hat sich im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert. Preiserhöhungen können nach wie vor nur in geringem Umfang an die Kunden der Handwerksbetriebe weitergegeben werden, sodass die Renditesituation im Handwerk weiterhin unbefriedigend bleibt.

Konjunkturelle Entwicklung im Bereich der Handwerkskammer Koblenz
Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage im Kammerbezirk Koblenz liegen insgesamt leicht über dem Landesdurchschnitt. Bei der Befragung der Handwerkskammer Koblenz unter 2.750 Mitgliedsbetrieben beurteilen 56 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage im Frühjahr 2004 als gut oder befriedigend. Im Vorjahr meldeten lediglich 52 Prozent der Betriebe eine zufrieden stellende wirtschaftliche Situation. Die zukünftigen Erwartungen liegen mit 64 Prozent leicht über dem Gesamtergebnis in Rheinland-Pfalz (63 Prozent) und deutlich über dem Vorjahreswert von 55 Prozent.

Auch Umsätze, Auftragslage sowie Betriebsauslastung haben sich im Kammerbezirk Koblenz gegenüber dem Vorjahr leicht positiv entwickelt. 8 Prozent der Befragten (Vorjahr: 7 Prozent) verzeichnen höhere Umsätze. Einen gestiegenen Auftragsbestand geben 10 Prozent (Vorjahr: 9 Prozent) der Handwerksunternehmen an. Mit ihrer Auslastung im Frühjahr 2004 sind 44 Prozent der Befragten zufrieden (Vorjahr: 42 Prozent).

Die Investitionsbereitschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 31 Prozent der befragten Betriebe haben im 1. Quartal Investitionen getätigt, im Frühjahr 2003 waren es lediglich 26 Prozent (Landesdurchschnitt: 28 Prozent). Allerdings ist die durchschnittliche Investitionssumme von rund 19.000 Euro im Vorjahr auf 17.000 Euro gesunken (Landesdurchschnitt: 20.000 Euro).

Positive Signale bei der Beurteilung der Geschäftslage im rheinland-pfälzischen Handwerk
Im Landesdurchschnitt zeigen sich 54 Prozent der Befragten mit dem Geschäftsklima zufrieden. Im Kammerbezirk Koblenz beurteilen 56 Prozent der Handwerksunternehmen ihre wirtschaftliche Situation mit gut oder befriedigend. Für die nächsten drei Monate sind die Erwartungen optimistischer: hier geben 63 Prozent aller befragten Handwerker eine erfreuliche Einschätzung an.

Quelle: HWK Koblenz