|
Konjunktur: 2003 kein gutes Jahr für das Handwerk |
|
|
|
|
Dienstag, 27. Januar 2004 |
Handwerkskammer Stuttgart sieht leichte Entspannung im Konjunkturtief
Bei den knapp 28.000 Handwerksbetrieben in der Region Stuttgart hat sich das konjunkturelle Klima auch zum Jahresende nicht merklich verbessert. Eine Umfrage der Handwerkskammer Mitte Januar deckt vor allem noch rückläufige Auftrags- und Umsatzzahlen im Bauhandwerk auf. Im Gesamthandwerk konnte allerdings der Beschäftigungsabbau gestoppt werden. Die Mitarbeiterzahlen sind nun stabil. Durchschnittlich beschäftigt jeder Betrieb 8,1 Mitarbeiter. Erstmals seit zwei Jahren schätzen die Handwerksunternehmer ihre Geschäftslage für die kommenden Monate wieder positiver ein.
»Nachdem die Novelle der Handwerksordnung im Bundestag zum Jahresende endgültig beschlossen wurde, haben die Meister wieder sicheren Boden unter den Füßen«, kommentierte Ulrich Bär, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, die aktuelle Lage in den Betrieben in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg, dem Rems-Murr-Kreis und in Stuttgart. Ein Drittel der Betriebsinhaber erwartet, dass sich ihre Geschäftslage merklich verbessern wird. Diese aktuelle Einschätzung liegt damit um gut zwölf Prozentpunkte über der Einschätzung im Vorquartal. Zwar ist der durchschnittliche Auftragsbestand ähnlich wie im Vorquartal bei 5,5 Wochen, allerdings ergeben sich hier große Abweichungen von Gewerk zu Gewerk. Nach wie vor melden Baubetriebe den geringsten Auftragsbestand von knapp vier Wochen, die Metallhandwerke dagegen haben für gut sieben Wochen Aufträge in ihren Büchern stehen. Bei den Ausbau- und Bauhilfsgewerken hat sich der durchschnittliche Auftragsbestand bei 5,4 Wochen stabilisiert und auch bei den Kraftfahrzeuggewerken ist kein weiterer Auftragsrückgang mehr zu verzeichnen. Bei den Nahrungsmittelhandwerken, Bäcker, Metzger, Konditoren, war sicherlich bedingt durch das Weihnachtsgeschäft die Auftragslage zufrieden stellend.
Bei den Angaben zur durchschnittlichen Betriebsauslastung zeigt sich ein sehr uneinheitliches Bild innerhalb der Handwerksbranchen. Während bei den Ausbau- und Bauhilfsgewerken fast 70 von hundert befragten Unternehmern angaben, zu 80 und mehr Prozent ausgelastet zu sein, waren es bei den Dienstleistungshandwerkern lediglich 40 Prozent der Befragten, die eine ähnliche Betriebsauslastung angaben. Auffallend ist, dass bei den Gesundheitshandwerkern, Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, bedingt durch die Unsicherheit über die Gesundheitsreform im vierten Quartal, die Werkstattauslastung zurückging. Allerdings ist der Auftragsbestand von sechs Wochen auf über neun Wochen angewachsen. Dieser Auftragsbestand wird nun in den ersten Wochen diesen Jahres in den Werkstätten bearbeitet.
Der Anteil der Betriebe, die steigende Umsätze melden, hat im vierten Quartal 2003 zugenommen. Im Herbst haben noch 23 Prozent von besseren Umsätzen berichtet und 35 Prozent von zurückgehenden Umsätzen. Zum Jahresende haben 26 Prozent eine Klimaverbesserung angedeutet. Das Schlusslicht bei den Konjunkturindikatoren bilden die Gewerbe für den gehobenen Bedarf, Goldschmied, Uhrmacher und die Bekleidungshandwerke. 60 Prozent aller Befragten gaben an, schlechtere Umsätze gegenüber den früheren Vergleichszeiträumen getätigt zu haben. Große Hoffnungen setzen die Betriebsinhaber auf das laufende Jahr. Über 50 Prozent der befragten Handwerksunternehmer erwarten, dass sich in diesem Jahr die Geschäftslage verbessern wird. Diese positiven Erwartungen schlagen sich bereits in den betrieblichen Investitionstätigkeiten nieder. Im dritten Quartal haben lediglich 11 Prozent der Unternehmer innerbetrieblich die Investitionen getätigt. Zum Jahresende gaben 18 von hundert Befragten an, in ihre Betriebe wieder investiert zu haben.
Das Geschäftsklima hat sich zwar nur geringfügig verbessert gegenüber dem Vorquartal, aber auf eine durchgreifende Konjunkturwende deuten die Wirtschaftszahlen noch nicht hin. Der seit zwei Jahren anhaltende Abschwung scheint gebremst zu sein. Insbesondere die Investitions- und Beschäftigtenzahlen weisen darauf hin. Nachdem von allen öffentlichen Haushalten keine nachhaltigen Investitionen zu erwarten sind, wird allein der private Konsum die Handwerkskonjunktur verbessern können.
|