Advertisement
Startseite arrow Nachrichten arrow Stuckateure arrow Trendwende auf tiefem Niveau
Trendwende auf tiefem Niveau PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 27. Januar 2004
Indexwerte für das Handwerk in Baden-Württemberg haben sich verbessert Das Handwerk in Baden-Württemberg hat ein schwieriges Jahr hinter sich: Umsätze, Betriebs- und Beschäftigtenzahlen waren weiter rückläufig. Trotzdem sieht Landeshandwerkspräsident Klaus Hackert Chancen für eine Trendwende, die allerdings auf einem viel zu tiefen Niveau stattfindet.

Während sich in den letzen drei Jahren die Indexwerte kontinuierlich verschlechtert haben – der Index ist von einem Spitzenwert von fast 45 Punkten Mitte 2000 auf gerade noch 0,5 Punkte zu Beginn des Jahres 2003 abgestürzt – gab es Ende 2003 einen ersten Lichtblick. Der Indexwert ist leicht angestiegen und hat sich nach 16,1 Punkten im 3. Quartal im Jahresschlussquartal bei 14,3 Punkten bestätigt.

»Allerdings fehlen noch überzeugende Zeichen für eine kräftige Auftriebstendenz«, sagte der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT) in einer Pressekonferenz. Das Handwerk gehöre nach wie vor zu den Hauptlastträgern der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung. In Baden-Württemberg rechne er für die Handwerksbetriebe mit einem nominalen Umsatzrückgang von etwa 3,3 Prozentpunkten, was real einem Minus von etwa 4,4 Prozent entsprechen werde. Damit bleibe das Handwerk erneut hinter der Entwicklung der gesamten baden-württembergischen Wirtschaft zurück.

Dieses unerfreuliche Bild wird auch von den weiteren Indikatoren bestätigt. Die Betriebszahlen im baden-württembergischen Handwerk befinden sich weiter auf Talfahrt. Der Bestand reduzierte sich im vergangenen Jahr mit rund tausend Betrieben um 0,8 Prozent (2002: -1,2 Prozent). Am stärksten betroffen waren das Elektro- und Metallgewerbe mit 550 Betrieben weniger und das Bau- und Ausbaugewerbe mit einem Minus von 300 Betrieben. Die Gesamtzahl der Handwerksbetriebe im Land ist knapp unter die Marke 117.000 gerutscht. »In den letzten fünf Jahren haben wir damit mehr als 3.000 Betriebe verloren«, sagte Hackert.

Die Zahl der Beschäftigten ist nach ersten Näherungswerten des Statistischen Landesamtes um rund 25.000 Mitarbeiter und damit um mehr als drei Prozent zurückgegangen. Damit startet das Handwerk mit nur noch knapp 800.000 Beschäftigten ins neue Jahr nach 830.000 im Vorjahr.

Die negative Entwicklung des Handwerks gilt im Wesentlichen für alle Handwerksbranchen – allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Überdurchschnittlich schlecht haben im letzten Jahr die Bereiche Bau- und Ausbau sowie das Holzgewerbe abgeschlossen. Hoffen lasse dagegen die Entwicklung der Ausbildungssituation, erklärte Hackert weiter. Im vergangenen Jahr haben etwa 21 800 junge Menschen einen Ausbildungsplatz in einem Handwerksberuf gefunden. Dies sind zwar rund 320 neu abgeschlossene Verträge bzw. 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr (2002: -685 bzw. -3,0 Prozent). Der Rückgang hat sich also deutlich abgeflacht. Die Ausbildungszahlen haben sich damit besser entwickelt, als der Durchschnitt der baden-württembergischen Wirtschaft. Insgesamt bildet das Handwerk etwa 57.000 junge Menschen aus.

Für das Jahr 2004 zeigen sich die Handwerker eher skeptisch. Die Prognosen der Betriebe bei der BWHT-Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2004 liegen unter den Werten für das letzte Quartal 2003. Der Handwerkstag rechnet weiter mit rückläufigen Umsatzzahlen und Arbeitsplatzverlusten.

Neben der desolaten wirtschaftlichen Entwicklung, die im letzten Jahr dazu geführt hatte, dass der Handwerkstag erstmals eine machtvolle Demonstration auf dem Schlossplatz durchgeführt hat, war die Änderung der Handwerksordnung das zweite große Thema in der Handwerkspolitik. Der Rückgang von Umsatz und Beschäftigung sei von der Bundesregierung in den letzten Jahren gerne auf den im Handwerk geforderten Meisterbrief zurückgeführt worden, sagte Hackert weiter. Genau diese Kausalität greife aber nicht. Dies zeige der Blick auf andere kleingewerbliche Sektoren. Hackert: »Im Einzelhandel oder beim Hotel- und Gaststättengewerbe kennen wir Qualifikationsnachweise bei der Betriebsgründung nicht.

Dennoch sind gerade dort in den letzten drei Jahren Umsatz und Beschäftigung noch viel stärker als im Handwerk eingebrochen.« Die Streichung des Meisterbriefs bei mehr als der Hälfte der Handwerksberufe werde zu keiner Steigerung von Umsatz und Beschäftigung führen. Es werde vielleicht mehr Betriebe geben, vor allem aber mehr Kleinstbetriebe. Die mittleren und größeren Handwerksbetriebe würden dadurch an Umsatz und Arbeitsplätzen verlieren. »Das bedeutet, dass die von der Betriebsgröße abhängige Ausbildungsfähigkeit und Innovationskraft geschmälert wird«, befürchtete Hackert. Auch die angestrebte Entbürokratisierung und Deregulierung erweise sich als Schuss in den Ofen. Das Handwerksrecht sei noch komplizierter geworden als es in der Vergangenheit bereits war.

Früher habe es zwei Rechtsgruppen im Handwerk gegeben, die der Meisterbetriebe und die des meisterfreien handwerksähnlichen Gewerbes: »Jetzt haben wir mindestens vier Fallgruppen, die noch zusätzliche Alternativen beinhalten.«

Aber das Handwerk werde sich der Aufgabe stellen und weitere Bildungsangebote auch dort einrichten, wo Qualifikationen vom Gesetz nicht mehr gefordert seien. Es werde unter anderem eine Meisterprüfungsverordnung für die Bereiche des Handwerks entwickeln, für die eine Meisterprüfung nicht mehr notwendig ist. Hackert: »Der Verbraucher wird auch in Zukunft verlässliche Qualitätssignale bekommen.«