Advertisement
Startseite arrow Nachrichten arrow Die Welt im Maßstab 1:20
Die Welt im Maßstab 1:20 PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 13. August 2003
ABB Gebäudetechnik AG rüstet Legoland aus

Bereits wenige Wochen nach seiner Eröffnung wurde der neue Legoland Park in Günzburg zum Publikumsmagneten. Daß die kleinen und großen Fans schon ein Jahr früher als ursprünglich geplant in die Lego-Welt eintauchen konnten, ist einer außergewöhnlich schnellen Projektabwicklung aller an dem Bau Beteiligten zu verdanken. Vielfach konnte die Detailplanung erst während der Bauarbeiten erfolgen, wie im Fall der ABB Gebäudetechnik, die unter anderem für die Elektroinstallation, die Stromversorgung sowie die Sicherheitstechnik verantwortlich war. Seit dem 17. Mai 2002 hat Deutschland sein eigenes Legoland. Im bayerischen Günzburg, nahe Ulm, wo sich die Autobahnen 7 und 8 kreuzen, entstand mit einem Investitionsvolumen von über 150 Millionen Euro der weltweit vierte Park der Lego Company. „Nach Dänemark, England und den USA konnte sich Günzburg bei der Standortwahl gegen Japans Hauptstadt Tokio durchsetzen“, berichtet Marion Moormann, Sprecherin von Legoland Deutschland. Geografische und strukturelle Vorteile hätten den Ausschlag gegeben. „Im Einzugsgebiet von 330 Kilometern leben mehr als 25 Millionen Menschen, hinzu kommen die zahlreichen internationalen Gäste, die Bayern, das beliebteste Urlaubsziel in Deutschland, jährlich besuchen.“

Erlebnis für Groß und Klein
Schon bei der Anfahrt begrüßen den Besucher die ersten Lego-Motive. Im neuen Themenpark erwarten den Fan - zumeist Kinder im Alter zwischen zwei und 13 Jahren mit ihren Eltern - dann Modelle aus über 50 Millionen Bausteinen sowie über 40 Attraktionen und Shows. Als „interaktive Erlebniswelt“ beschreibt Moormann die spezifische Mischung aus Unterhaltung und pädagogischem Anliegen, Kreativität, Spaß, Spiel und Wissensvermittlung, die die Philosophie des Parks ausmachen. Im „Miniland“ - dem Herzstück aller Parks des Unternehmens - pulsiert das tägliche Leben im Maßstab 1:20. Bekannte Bauwerke wurden dafür originalgetreu nachgebaut, wie die Skyline von Frankfurt, der Flughafen München, der Hamburger Hafen oder der Berliner Reichstag. Dabei steckt die Liebe im Detail, ganz gleich, ob es die Möwe auf dem Dach ist (aus nur fünf Steinen) oder der Reichstag aus über einer Million Steinen.

Projekt in Rekordzeit
Der Besucher merkt nichts von der Herausforderung, vor der alle am Bau beteiligten Unternehmen bei der Errichtung standen. „Dabei wurde der Eröffnungstermin vom Betreiber doch kurzfristig um ein Jahr vorverlegt“, berichtet Dietmar Mettler, einer der Projektleiter. Durch den vorgezogenen Termin waren noch nicht alle Planungen abgeschlossen. So bestand eine der Hauptaufgaben für den technischen Generalunternehmer darin, sich um die Detailplanung der gesamten Elektroinstallation zu kümmern. „Das Unternehmen strahlte die notwendige Kompetenz aus und bot genug Ressourcen, um auch unerwartete Hindernisse schnell und flexibel meistern zu können“, begründet Mettler die Entscheidung für ABB Gebäudetechnik, die das Projekt von der nur wenige Kilometer von Günzburg entfernten Niederlassung in Ulm aus betreuten.

„Bei diesem Auftrag konnten wir unser Know-how für Großprojekte ausspielen“, betont Thomas Kammerer, ABB-Projektleiter aus der Niederlassung Ulm. Denn hier zählte Schnelligkeit, sowohl in der Ausführungsplanung und Logistik als auch in der Umsetzung. „Die sehr kurze Bauzeit war nur durch den persönlichen Einsatz aller Mitarbeiter zu bewältigen“, erinnert sich Kammerer. Insgesamt waren knapp 600 Menschen auf der Baustelle aktiv, davon allein 140 von ABB. Geleitet wurde das Projekt vom amerikanischen Legoland Construction Team, das sich schon beim Bau des dritten Themenparks in Kalifornien bewährt hatte.

Sicherheit der Besucher hat Priorität
Im März 2001 war mit den Tiefbauarbeiten für die Kabelleerrohre gestartet worden. Nur zwölf Monate später, am 14. März 2002, wurde die Technik übergeben. So stand der feierlichen Eröffnung am 17. Mai 2002 nichts mehr im Wege. „Bei den Arbeiten stand die Sicherheit der Besucher an oberster Stelle“, betont Kammerer. Stromkabel sind unterirdisch verlegt oder versorgen geschickt getarnt Lampen an Bäumen und Sträuchern. Unauffällige Poller bieten Energie- und EDV-Anschluß für die mobilen Imbißstände. Insgesamt versorgen 3.500 Kilometer Kabel - neben Glasfaserkabeln auch 700 Tonnen Kupferkabel - den Themenpark mit der notwendigen Energie und ermöglichen den Datentransfer. „Allein die High-Tech-Showbeleuchtung im Studio benötigte 42 Kilometer Kabel“, unterstreicht Kammerer. Für die geschickte Verteilung wurden 180 Kilometer Leerrohre im Außenbereich sowie 20 Kilometer in Gebäuden verlegt. Unter den rund 170 Stromverteilern befinden sich auch 60 modulare Niederspannungs-Hauptverteiler.

Für die Beleuchtung in den unterschiedlichen Gebäuden und im Freigelände wurden über 6.000 Leuchten eingesetzt. Darunter waren viele Modelle von amerikanischen Herstellern in speziellem Design des Freizeitparkbetreibers. „Diese benötigten noch die entsprechenden CE-Zulassungen und mußten von den Spezialisten in kürzester Zeit den europäischen Normen angepaßt werden“, beschreibt Kammerer eine der logistischen Aufgaben.

„Im Park muß alles funktionieren - immer und unter allen Bedingungen,“ betont Mettler eine weitere Anforderung an die Technik. Einen Stromausfall bei vollbesuchtem Park könne man sich nicht leisten. Daß es auch gar nicht dazu kommen kann, dafür sorgt zum einen die hochwertige Elektroinstallation und zum anderen ein doppelter Anschluß an das Versorgungsnetz der Lech-Elektrizitätswerke (LEW). In zwei getrennten Umspannwerken bieten sieben Trafostationen mit einer Leistung von 6,3 Megawatt ausreichend Reserven. Die qualitativ hohe Versorgungssicherheit wird zudem durch vier Notstromaggregate mit einem Megawatt Leistung gesichert, die bei einem theoretischen Ausfall der LEW-Stromversorgung einspringen. Während die allgemeine Technik dezentralisiert wurde, laufen die Fäden des Sicherheitsnetzes in zwei unabhängigen Zentralen, Lego-Base und Lego-Booth, zusammen. Rund 1.200 Brandmelder werden dort überwacht wie auch 40 Videoanlagen gegen Einbruch und Diebstahl.

Erfolgreicher Start
Der Themenpark wird komplett in Eigenregie betrieben. Etwa 130 fest angestellte Mitarbeiter kümmern sich um den technischen Betrieb und die Verwaltung. Bis zu 1.000 zusätzliche Saisonkräfte sind an der Kasse, den Shops, in der Gastronomie oder an den zahlreichen Attraktionen und Shows für die Besucher da. Statt auf Computer-Automatisierung setzt der Freizeitpark auf den persönlichen Kontakt zu Kindern und Erwachsenen. Es müsse „menscheln“ im Familienpark, unterstreicht Moormann. Das Konzept geht auf. Der vierte Themenpark wurde bereits in den ersten Tagen hervorragend angenommen. Nach nur zwei Wochen konnte der 100.000ste Besucher begrüßt werden. Im Schnitt zählt der Park rund 10.000 Besucher täglich, in Spitzenzeiten kommen bis zu 16.000 Kinder, Eltern, Großeltern und sonstige junggebliebene „Bausteine-Fans“ nach Günzburg. Im laufenden Jahr werden 1,5 Millionen Gäste erwartet.

Auch für die Zukunft hat man bereits vorgesorgt. Es steht nicht nur genügend Platz für eine Erweiterung des Parks zur Verfügung. Auch ein angegliedertes Feriendorf ist möglich. Gespräche dazu laufen bereits.

Fazit:
Im Legoland war ABB für die gesamte Elektroinstallation verantwortlich. Dazu gehört zum Beispiel die Stromversorgung des Parks, die Elektrotechnik des Freigeländes, die gesamte Gebäudetechnik für das Verwaltungsgebäude sowie die Sicherheitstechnik mit Brandmeldeanlagen, Einbruch- und Videoüberwachung. Vom Auftragsvolumen über rund 12 Millionen Euro liegt der Anteil des Unternehmens bei 6,5 Mio. Euro. Das Projekt dokumentiert eindruckvoll, in welcher Dimension sich Gebäudetechnik heute bewegen kann.