Schweißroboter sorgt für Aufträge
Auch für kleinere Unternehmen kann sich der Einsatz von Robotersystemen schnell bezahlt machen. Bei der Firma Gester in Velbert beispielsweise fertigt eine halbautomatische Roboterschweißzelle von Panasonic täglich zweimal 1.700 Gelenkarme für Krankenhausbetten. Der Betriebsleiter ist sich sicher: Ohne den Roboter hätten sich die Wünsche des langjährigen Kunden nicht erfüllen lassen, der große Auftrag wäre verloren.
Seit vielen Jahren schon verbinden beste Kundenbeziehungen die Kurt Gester GmbH mit der Firma Betten-Völker im westfälischen Witten, einem Hersteller von Krankenhausbetten: Der Preß-, Schweiß- und Stanzbetrieb aus Velbert produziert fast alle Komponenten des Bettrahmens. Lediglich die Verstellmechanik für das Kopf- und Fußteil lieferte bisher ein Mitbewerber, denn die Kundenanforderungen konnte das Unternehmen mit 53 Mitarbeitern in diesem Falle einfach nicht erfüllen: Der Bettenhersteller benötigt wöchentlich Teile für rund 1.100 Betten und legt zudem einen besonderen Wert auf eine hohe und gleichbleibende Qualität der Schweißnaht - auch aus optischen Gründen. Beinahe sieben Jahre lang versuchte Gester vergeblich, von seinem Großkunden auch diesen Auftrag zu gewinnen. Um das gewünschte Volumen produzieren zu können, hätte der Kleinbetrieb jedoch fünf oder sechs ausgebildete Schweißer einstellen müssen, die der Arbeitsmarkt aber auch im Ruhrgebiet nicht hergibt und für die der Kleinbetrieb zudem nicht genügend Fläche hätte bereitstellen können. Selbst dann aber ließe sich der geforderte Teilepreis nie erreichen, und zudem könnten mehrere Schweißer nicht die geforderte gleichbleibende Optik der Schweißnaht sicherstellen. Ein Ausweg aus diesem Dilemma eröffnete sich bei einem Besuch auf der Euroblech in Hannover im Herbst vergangenen Jahres. Unabhängig voneinander besichtigten dort der Betriebsleiter Kai Kudla und ein Schweiß-Spezialist des Unternehmens die transportable Roboterschweißzelle PerformArc ET von Panasonic, die ideal geeignet schien, um endlich auch die Verstellmechaniken in der geforderten Menge und Qualität liefern zu können: Die kompakte Anlage wird als Komplettsystem direkt vom LKW auf den Werkshof geliefert und enthält sämtliche Komponenten, die aufeinander abgestimmt sind - einschließlich der Stromquelle, die ebenfalls von Panasonic stammt; als individuelle Leistung benötigt werden lediglich die Werkstückaufnahmen sowie die einmalige Programmierung des Roboters. Der elektrisch getriebene Rundtisch mit zwei Stationen ermöglicht zudem die exakt paarweise Produktion der Kopf- und Fußteile, wie sie der Bettenhersteller verlangte, und aufgrund der einfachen Bedienbarkeit lassen sich auch ungelernte Werker in der Schweißerei einsetzen. Zwar wäre es in dem Kleinbetrieb zunächst undenkbar gewesen, für Schweißarbeiten einen Roboter einzusetzen, doch das Konzept der Japaner überzeugte die Messebesucher aus Velbert ebenso wie der Preis. Dabei zahlt es sich aus, daß Panasonic sich auf Schweißlösungen konzentriert, dabei aber nicht auf die Automobilindustrie fokussiert, sondern auch Lösungen für „kleine“ Kunden anbietet. So genügte die Größe des Systems genau den Ansprüchen der Schweißbetriebs, wie Betriebsleiter Kudla berichtet: „Eine größere Anlage werden wir nie brauchen“. Ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten von Panasonic war nicht zuletzt der kurzfristige Liefertermin der Roboterzelle, denn der Kunde wollte den Auftrag gerade neu vergeben. Noch auf der Messe wurden sich deshalb Hersteller und Interessent einig, und kurz darauf erhielt Gester den lange begehrten Auftrag. Bis die Anlage geliefert wurde, produzierte man bei Gester zunächst noch im Zweischichtbetrieb manuell, doch diese Übergangsphase dauerte lediglich drei Monate. Heute läuft der Roboter zehn Stunden am Tag und produziert pro Woche die Teile für rund 1.700 Betten - so viel wie fünf ausgebildete Handschweißer. Die Anlage ist damit zu rund 90 Prozent ausgelastet, bei noch kürzeren Taktzeiten käme der Bediener in Verzug. Betriebsleiter Kudla freut sich: „Seit wir den Roboter haben, haben wir kein Problem mit dem Liefertermin.“ Zudem läßt sich der Teilepreis besser kalkulieren als bisher, denn jetzt zählt allein die Taktzeit. Dabei bleiben Qualität und Stückzahl unverändert auf hohem Niveau - unabhängig vom Bediener. Kudla ist sich sicher: Derart gleichmäßige Schweißnähte ließen sich manuell kaum erreichen. Für die Firma Gester bedeutet der Roboter zudem einen Wettbewerbsvorteil, denn derzeit verhandelt der Bettenhersteller über die Produktion von drei weiteren Komponenten eines neuen Bettes - und bei den Mitbewerbern sind noch keine Roboter im Einsatz. Ebenso eröffnen sich für den Schweißbetrieb jetzt ungeahnte Möglichkeiten zum Erhalt von Arbeitsplätzen: So beginnt das Unternehmen demnächst eine Kooperation mit einem benachbartem Umformbetrieb, der Motorhaubenschlösser für einen großen Automobilhersteller liefert. Ohne den Roboter könnte Gester weder die gewünschten Stückzahlen liefern noch sämtliche Produktionsschritte dieser Sicherheitskomponente wie gefordert dokumentieren. Nach den guten Erfahrungen mit der Schweißzelle von Panasonic wird das Unternehmen auch dafür eine Lösung des japanischen Herstellers anschaffen. Der Zeitpunkt dafür steht schon fest: „Die zweite Zelle kommt, sobald der Auftrag im Hause ist“, kündigt der Betriebsleiter an. |