Neue Generation von Solaranlagen bringt Farbe auf Fassaden
Farbige Fassaden statt trister Industriegebäude. Das gefällt dem Auge und der Umwelt, denn möglich wird das Ganze durch eine neue Form von Solaranlagen.
Solarkollektoranlagen lassen auch den privaten Bauherren sein Scherflein zu einer ökologisch sinnvollen Energiegewinnung beitragen. Und er wird dafür belohnt: Die Bundesregierung fördert die Errichtung und den Betrieb von Photovoltaikanlagen, zum Beispiel mit dem „100.000-Dächer-Programm“. Dessen Fortbestand ist bis auf weiteres nun auch gesetzlich abgesichert: Anfang Juni beschloss der Bundestag, die Obergrenze staatlich geförderten Stroms von 350 auf 1.000 MW heraufzusetzen. Die Sterne stehen also durchaus günstig für die Solarenergie. Der jüngst veröffentlichte „Erfahrungsbericht zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)“ des Bundeswirtschaftsministeriums misst der Photovoltaik (PV) die höchste Wachstumsrate im Vergleich mit anderen erneuerbaren Energietechniken zu.Multifunktionale Module Trotz aller staatlichen Anschubhilfen heißt das Gebot der Stunde, eine breitere Akzeptanz für Solaranlagen zu schaffen -auch im Industriebereich. Einen richtungsweisenden Impuls soll eine neue Generation von Photovoltaikanlagen geben, die nicht nur Strom erzeugen. Sie dienen auch der Wärmedämmung oder schützen vor Sonne. Dabei sehen sie auch noch gut aus. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Solarzellen auf den Dächern wie ein Fremdkörper ausnahmen. Multifunktional und ästhetisch ist die neuste Kreation der ThyssenKrupp Stahl AG. Mit der Produktlinie „Solartec“ hat Thyssen eine junge Generation von Solarkollektoren geschaffen, die nanokristalline Dreischichtzellen-Technologie mit einem optisch ansprechenden Bauelement kombiniert. Mehr Design auf Deutschlands Dächern und Fassaden, heißt die Devise. Bei Thyssen-Solartec ist es die Kombination mit der Farbreihe „ReflectionsOne“, die eine farbliche Abstimmung des Gebäudes auf seine Nachbarschaft erlaubt. Hierzu werden Stahlprofile in den jeweilig abgestimmten Farbtönen des ReflectionOne-Systems geliefert. Zusätzlich können die Abdeckleisten der Solarlaminatträger eingefärbt werden. Die Gestaltungsmöglichkeiten entsprechen den Vorstellungen des Farbphilosphen Friedrich Ernst von Garnier, der das Credo einer „Ökologie fürs Auge“ ausrief. Seiner Ansicht nach können Produkte dieser Art den Weg weisen zu einer harmonischen Einheit aus Farbe, Form und der Kraft der Solarenergie. In einem speziellen Verfahren werden auf kunststoffbeschichtete Stahlbleche flexible Solarzellenfolien auflaminiert, so entstehen leichte und robuste Elemente. Auf einen Unterbau und schwere Abdeckplatte aus Glas kann der Bauherr verzichten, ebenso auf eine Dacheindeckung oder die äußere Fassadendeckschicht, denn anders als bei kristallinen Elementen wird hier mit 1 kWp solarer Leistung gleichzeitig 20 qm² Dachfläche mitgeliefert. Eine weitere technische Besonderheit: Das Einbinden von Bypass-Dioden verhindert ein Leistungseinbruch der Module und der kompletten Anlage bei Teilabschattung. Imagegewinn durch Solarenergie Die Warmbandspaltanlage in Duisburg, die ThyssenKrupp noch in diesem Monat einweihen wird, ist ein eindrucksvolles Beispiel. Auf einer Fläche von zirka 1.400 qm² gestalten die Module nach Entwürfen des Farbstudios Friedrich Ernst von Garnier die Fassade. In aufeinander abgestimmter Kolorierung und mit einer Gesamtnennleistung von zirka 50 kWp ist eine wellenförmige Struktur entstanden. Das Ergebnis ist ein Gebäude in grün-changierender Optik, das sich ästhetisch seiner Umgebung anpasst. Eine gelungene Verbindung zwischen schlichter Industriearchitektur, wohlüberlegter Farbnuancierung und moderner Solartechnik. Eine wichtige Aufgabe der Zukunft wird es sein, die wirtschaftliche Stellung der Photovoltaik auf dem heimischen Markt zu festigen. Dazu muss sich auch in der Industrie das Bewusstsein durchsetzen, dass Unternehmen, die sich zur Solarenergie bekennen, inzwischen einen erheblichen Imagegewinn verzeichnen können. Damit ist nicht nur das Ansehen in der Gesellschaft gemeint. Ullrich Finger, Geschäftsführer von Thyssen Bausysteme, erinnert sich: „Bei einem unserer Kunden, Zulieferer der Automobilindustrie, wurden die energetischen Aspekte in einem Ökoaudit geprüft. Mit der Photovoltaikanlage konnte dieser Kunde seine Stellung als Lieferant sichern.“ |